Orthopädische Chirurgie in der Zukunft

Minimal invasive und computerassistierte Operationstechniken in Orthopädie und Unfallchirurgie auf dem Vormarsch

Implantationen großer Gelenke durch minimale Hautschnitte mit größtmöglicher Präzision und Sicherheit sind die Zukunft der modernen chirurgischen Orthopädie. International anerkannte Fachmediziner auf den Gebieten der Orthopädie, Endoprothetik, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie diskutierten am 28. April 2004 in Rastatt die zukunftsweisenden Möglichkeiten neuer Operationstechniken. Darunter schonende minimal invasive und computerassistierte Verfahren.

Bei der Implantation von Hüftgelenken zeigen die klinischen Erfahrungen von Prof. Dr. Roland Wetzel, leitender Arzt der Kliniken Harthausen in Bad Aibling, dass vor allem der schonende Umgang mit Muskeln ausschlaggebend für die schnelle Genesung der Patienten ist. Mit der minimal invasiven Technik „MIS™ 2-Incision Hip Procedure“ setzt der Chirurg die Hüftprothese durch zwei kleine, gewebeschonende Schnitte ein. Die Vorteile liegen für Wetzel in der zügigeren Rehabilitation sowie im kürzeren stationären Aufenthalt des Patienten. In Zukunft sind für den erfahrenen Mediziner – wie in den USA bereits üblich – erheblich kürzere Verweildauern vorstellbar.
Gemeinsam mit führenden Fachärzten und Wissenschaftlern entwickelte und erprobte das Unternehmen Zimmer zwei minimal invasive Operationsmethoden – die „MIS™ Mini-Incision“ und die „MIS™ 2-Incision Hip Procedure“ – für den künstlichen Hüftgelenkersatz.

Per Live-Übertragung verfolgten die Teilnehmer des Rastatter Fach-Meetings die Implantation einer Hüftgelenkprothese mittels des minimal invasiven OCM-Zugangs (Einschnitt-Technik) durch Dr. Heinz Röttinger von der Münchener OCM Klinik. Grundlage der OCM-Technik ist es ebenfalls, Muskel- und Sehnenansätze zu schonen. „Dadurch haben die Patienten nach der Operation vergleichsweise weniger Schmerzen und erreichen wesentlich schneller eine sehr gute Gelenk-funktion,“ erklärt Röttinger, der die OCM-Technik in der Orthopädischen Chirurgie in München entwickelte.

Die kleineren Schnitte der minimal invasiven Techniken bedeuten für den Operateur ein verringertes Sichtfeld. „In Zukunft wird daher die Navigation Einzug in die Operationssäle halten“, ist sich Prof. Dr. Thomas Klestil von der Universitätsklinik Innsbruck sicher. Verglichen mit der Navigation im Auto, in der die aktuelle Position anhand von Funksignalen zwischen Satellit und Auto ermittelt wird, ermöglichen computererfasste Infrarotsignale zwischen Patient, Operationswerkzeugen und einer 3D-Spezial-Infrarotkamera dem Operateur optimale Orientierung. Mit Hilfe einer speziellen Navigationstechnik lassen sich operative Eingriffe bereits im Voraus perfekt planen. Der dreidimensionale Einblick in alle Achsen und Winkel löst das einfache Röntgenbild ab. Und auch während der OP unterstützt der Computer als „Navigator“ den Chirurgen mit Informationen, damit er einzelne Schritte noch präziser ausführen kann. „Mit der Navigation soll der Operateur in die Lage versetzt werden, Fehlpositionen der Hüftprothese zu vermeiden“, erklärt Oberarzt Dr. Jürgen Babisch.

Die vorgestellten Navigationssysteme Navitrack™ von Orthosoft sowie die StealthStation®TREON plus von Medtronic SNT sind Hochtechnologien, die sich auch im Routinebetrieb einer Klinik erfolgreich einsetzen lassen, sind sich die Mediziner einig. Um bestehende Anwendungen der Navigationssysteme zu perfektionieren und die Sicherheit minimal invasiver Verfahren zu erhöhen, gingen die beiden führenden Anbieter von Navigationslösungen eine enge Kooperation mit Zimmer ein.

Mit einem Operationsroboter sollten die Navigationssysteme allerdings nicht verglichen werden. „Die Navigation ist ein weiteres Werkzeug, das die Fähigkeiten des Operateurs unterstützen - aber nicht ersetzen - soll. Am eigentlichen Operationsverfahren ändert sich nichts. Der Operateur bleibt der aktive Part, der die ihm gelieferten Informationen bewertet und entsprechend handelt, nicht die Maschine“, stellt Dr. Thomas Mattes - Oberarzt der Orthopädischen Abteilung des Rehabilitationskrankenhauses der Universität Ulm - den Unterschied zwischen Navigation und Robotik deutlich heraus.

Dass sich minimal invasive und computerunterstützte Operationsverfahren auch für die Implantation von Kniegelenkprothesen eignen, zeigten die ergänzenden Vorträge von Professor Dr. Werner Hein und des Oberarztes Dr. Stefan Klima von der Universitäts- und Poliklinik für Orthopädie und Physikalische Medizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die minimal invasive Operationsmethode des „Quad-Sparing™ Zugangs“ sorgt auch hier für einen gewebeschonenden Umgang mit Muskeln und Bändern. Der Eingriff ist weniger belastend und der Patient ist sprichwörtlich wieder schnell auf den Beinen.

Für den Chirurgen der Zukunft lohnt es sich in die noch junge Partnerschaft zwischen minimal invasiven und computerassistierten Operationsverfahren zu investieren, sind sich die wissenschaftlichen Leiter der Rastatter „OrthoGuidance™ & MIS™-Tagung“ Prof. Dr. Wolfhart Puhl - Chefarzt der Orthopädie der Universität Ulm - und der Ärztliche Direktor der Orthopädie des Klinikums Fulda, Prof. Dr. Otto Wörsdörfer sicher. Trotz der Anschaffungs- und Schulungskosten schätzen die Mediziner die gesamtwirtschaftliche Kosten-entwicklung positiv ein: Erhöhte Präzision verringert das Komplikationsrisiko und letztendlich auch die Zahl der teuren Wechseloperationen. Puhl bringt es auf den Punkt: „Viel Neues treibt uns Ärzte um. Manches ist nur Modernismus und wird nach einer Zeit der Euphorie abgeurteilt. Mit MIS™ – der minimal invasiven Chirurgie - im Bereich der Endoprothetik wird es anders sein. Letztlich geht es darum, die durch die heutigen Implantate möglichen Operationserfolge nicht aufs Spiel zu setzen. Sondern im Gegenteil, neue Implantationstechniken und Materialien zu nutzen und dies aber auch mit einer `minimierten Verletzung´ der Operation zu verbinden, um Belastbarkeit und Rehabilitation im Zeitraster und in den Kosten zu reduzieren.“ Für ihn war die Rastatter Tagung ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Zimmer Holdings Inc. mit Hauptsitz in Warsaw/Indiana (USA) ist seit der erfolgreichen Übernahme der Schweizer Centerpulse AG (Oktober 2003) der weltweit größte und führende Anbieter von medizinischen Produkten für den Wachstumsmarkt Orthopädie. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet Produkte aus den Bereichen Endoprothetik, Wirbelsäule, Traumatologie, Biologie/Sportmedizin, Computer Assisted Surgery (CAS) und Other Surgical Products (OSP). Zimmer ist das größte und führende Medizintechnik-Unternehmen auf dem Gebiet der Orthopädie in Deutschland.